Sonntag, 27. Januar 2019

Deepes Denken

Ich seh die Kiddies depressiv
im Social Media socializen,
wo sie fröhlich sukzessiv
ihr Kartenhaus mit Steineschmeißen
immer weiter niederreißen.

Wo Druck als Synonym für Leben
dem Leben kein Ventil mehr lässt,
wird während alle alles geben
die Luft zum Atmen langsam fest
und von den Besten bleibt kein Rest.

Suizid als Lebensrettung,
Leben um des Lebens Willen,
im Rausch bei jeder Wortverkettung
deep sein zwischen all den Pillen,
die effektiv Erwachsene stillen.

Deepes Denken statt Gedanken,
die uns vielleicht näher bringen,
weshalb all die Menschen schwanken
und hustend lieber Tabak tanken
statt ihr Lieblingslied zu singen.

27.01.2019

Samstag, 26. Januar 2019

gold

du stehst am ende eines regenbogens
in einem leeren topf
und nennst mich einen träumer
während die sonne aufgeht
und ihr goldenes licht
unsere flügel verbrennt

26.01.2019

zucker

du bist aus zucker
wenn es regnet
löst du dich auf
wie die dunklen wolken

26.01.2019

Mittwoch, 2. Januar 2019

Fassade

die welt ist grau
und bunt angemalt

Fassade aus stein
Fassade aus papier
und rissen

was ist dahinter
was ist es
flüchtig, nicht greifbar
und doch so schwer

Leere

01.01.2019

Mittwoch, 26. Dezember 2018

Lyrische Betrachtung VIII - Zeitgeist

Hinter fremden Wänden sind die Dinge meistens anders, als man vor den fremden Wänden häufig denkt.
Und so laufen wir wir durchs Leben und sind neidisch auf die Dinge, die es hinter fremden Wänden gar nicht gibt.

Deshalb schütten wir und schütten und das Glas ist längst halb voll. Doch im Zwielicht dieses Bildschirms im Büro im zwölften Stock eines viel zu großen Hauses wirkt das viel zu kleine Glas immer nur als wärs fast leer.
Und dann denkt man, man verdurstet, doch das Fass läuft schon seit langem über unsren schmalen Tellerrand hinaus.

Und wir trinken und wir essen und wir saufen und wir fressen und wir denken manchmal, doch wir machen meistens nur.
Denn im Irgendwo sind all die, die wir essen und verleugnen, die wir meiden, um beim Machen nicht zu denken.

Und am Ende sind da wir und wissen nicht mehr, wer wir sind, weil alle Fässer längst gefüllt und jeder Hunger längst gestillt ist.
Und am Ende wissen wir nicht einmal mehr, wie man denn stirbt, weil jedes Gras in das man beißt doch längst verdorrt ist.
Und am Ende stehen wir mit all den Fahnen und Fanfaren auf den Dächern all der viel zu großen Häuser.

Doch wir blicken in das Zwielicht unsrer Nächte und wir fragen uns die Fragen, die wir alle schon seit Jahren auf die Herzen unsrer Kinder tätowieren.
Und dann trinken wir und singen und dann träumen wir vom Springen, doch wir füllen unser schimmeliges Fass.
Denn das ist Zeitgeist, das ist Freigeist, das ist kein Geist, was wir wollen - ist es das?

26.12.2018