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Donnerstag, 4. April 2019

Jagd

Hörst du, wie sie klatschen?
Ein prasselnder Applaus.
Warum die gute Stimmung?
Ein Jubel und Gebrüll.

Wer ist es den sie feiern?
Niemand den du kennst.
Hörst du das laute Prasseln,
wenn du im Regen rennst?

Wohin scheucht dich das Brüllen?
Immer weiter fort.
Welche Lücken willst du füllen?
Dein Ort ist jeder Ort.

Das Ende stellt die Fragen,
jede Antwort bist du selbst.
Das Brüllen wird dich jagen,
solang du dich verstellst.

04.04.2019

Sonntag, 27. Januar 2019

Deepes Denken

Ich seh die Kiddies depressiv
im Social Media socializen,
wo sie fröhlich sukzessiv
ihr Kartenhaus mit Steineschmeißen
immer weiter niederreißen.

Wo Druck als Synonym für Leben
dem Leben kein Ventil mehr lässt,
wird während alle alles geben
die Luft zum Atmen langsam fest
und von den Besten bleibt kein Rest.

Suizid als Lebensrettung,
Leben um des Lebens Willen,
im Rausch bei jeder Wortverkettung
deep sein zwischen all den Pillen,
die effektiv Erwachsene stillen.

Deepes Denken statt Gedanken,
die uns vielleicht näher bringen,
weshalb all die Menschen schwanken
und hustend lieber Tabak tanken
statt ihr Lieblingslied zu singen.

27.01.2019

Mittwoch, 26. Dezember 2018

Lyrische Betrachtung VIII - Zeitgeist

Hinter fremden Wänden sind die Dinge meistens anders, als man vor den fremden Wänden häufig denkt.
Und so laufen wir wir durchs Leben und sind neidisch auf die Dinge, die es hinter fremden Wänden gar nicht gibt.

Deshalb schütten wir und schütten und das Glas ist längst halb voll. Doch im Zwielicht dieses Bildschirms im Büro im zwölften Stock eines viel zu großen Hauses wirkt das viel zu kleine Glas immer nur als wärs fast leer.
Und dann denkt man, man verdurstet, doch das Fass läuft schon seit langem über unsren schmalen Tellerrand hinaus.

Und wir trinken und wir essen und wir saufen und wir fressen und wir denken manchmal, doch wir machen meistens nur.
Denn im Irgendwo sind all die, die wir essen und verleugnen, die wir meiden, um beim Machen nicht zu denken.

Und am Ende sind da wir und wissen nicht mehr, wer wir sind, weil alle Fässer längst gefüllt und jeder Hunger längst gestillt ist.
Und am Ende wissen wir nicht einmal mehr, wie man denn stirbt, weil jedes Gras in das man beißt doch längst verdorrt ist.
Und am Ende stehen wir mit all den Fahnen und Fanfaren auf den Dächern all der viel zu großen Häuser.

Doch wir blicken in das Zwielicht unsrer Nächte und wir fragen uns die Fragen, die wir alle schon seit Jahren auf die Herzen unsrer Kinder tätowieren.
Und dann trinken wir und singen und dann träumen wir vom Springen, doch wir füllen unser schimmeliges Fass.
Denn das ist Zeitgeist, das ist Freigeist, das ist kein Geist, was wir wollen - ist es das?

26.12.2018

Samstag, 13. Oktober 2018

Und wofür?

Leben sind zu Schall und Pulverrauch geworden,
bald schon zog man wieder Hand in Hand.
Schnell jedoch begann erneut das große Morden
und das alles für das kleine bisschen Land.

Diese Wüste ist heut Heimat vieler Leute,
doch sie birgt den Treibstoff dieser Welt -
plötzlich werden dann die Jäger selbst zur Beute
und das alles für das kleine bisschen Geld.

Auf den Straßen spielen Kinder mit Gewehren
zwischen Staub und Trümmern, Glas und Schrott.
Krieg gewonnen - Eltern ruhen jetzt in Ehren
und das alles für das kleine bisschen Gott.

13.10.2018

Dienstag, 14. August 2018

Mittelmeer

Dunkel strahlen gelbe Flügel
über den Saphirgebirgen,
hell erklingen tosend Tränen
aus den Kehlen, die da würgen.

Menschenkrallen halten Westen,
die orange nach Hilfe schreien,
Wogen weben einen Teppich
aus den schrecklich stummen Reihen.

Rot zu Schwarz gefärbte Fluten
zeichnen Bilder in steril.
Zahlen, Zahlen, Zahlen, Zahlen,
immer mehr und nie zu viel.

Kälte weht von gelben Sternen
bis hinunter tief ins Tal.
Ein Privileg erhellt den Morgen
und im Schatten schweigt die Qual.


14.08.2018

Mittwoch, 8. August 2018

Immer wieder

Du schreibst deine Blogbeiträge,
ein Gedicht und deine Lieder,
doch am Ende kümmert's keinen,
doch du tust es immer wieder.

Denn der Tellerrand des einen
dient den andren als Buffet
und die haben selbst noch Teller,
deren Ränder sie nicht sehn.

Doch dann gibt es auch noch jene,
die die Ränder mitgestalten.
Allzu oft sind ihre Ziele
nur die Grenzen zu erhalten:

"Sperrt die Menschen auf die Teller,
wo dann keiner Schüsseln kennt!
Niemand wird nach Suppe fragen,
die ihm bloß die Hand verbrennt."

Doch die Menschen können lesen,
können sprechen, singen Lieder.
Jemand muss die Texte schreiben,
also tu es - immer wieder!

08.08.2018

Freitag, 20. Juli 2018

Do your drugs

What do the sheppards know
of the lives of sheep?
What do the angels do
when god has fallen asleep?

How many precious treasures
are buried in dust?
How long can stone cold faces
still cover hidden lust?

Whos arm is it that's growing
when something's out of reach?
Who is it that is buying
your dying right of speech?

How many smiling people
disguise anxiety?
How often do you lie
to please society?

20.07.2018

Mittwoch, 18. Juli 2018

Im Garten steht ein Wolf

Im Garten steht ein Wolf
    Hast du meinen Schlüssel gesehen?
Oh, jetzt haben sie ihn erschossen
    Alles gut! Er steckte noch in der Tür.
Im Garten steht ein Afrikaner
    Sag mal, wo hast du denn das Bier hingestellt?
Oh, er ist im Teich ertrunken
    Alles gut! War im Kühlschrank.
Im Garten liegen zwei Leichen
    Wir müssen los. Bist du fertig?
Oh, jetzt ist Gras drüber gewachsen
    Ich freu mich schon auf die Party!

18.07.2018

Montag, 7. Mai 2018

Berliner Frühling

Ein weißhaariger Mann mit Bierbauch und gestreiftem Shirt
- Längsstreifen machen schlank, aber Querstreifen gefallen ihm einfach besser! -
steht in seinen
langen Socken und Sandalen
am Bahnsteig,
die Handtasche lässig im Ellbogen.

Anzeige:
"Die Anzeige ist leider ausgefallen. Bitte die Ansagen beachten."

Ansage:
"Sehr ge... Zug... und... Bitte beachten Sie die Ansagen am..."

Zwei Frauen im mittleren Alter stehen sonnenbrilletragend
- im Schatten braucht man zwar keine, aber man will vorbereitet sein -
mit großen Taschen am Bahnhof.
Sie lachen, trotz der Verspätung und wegen der Ansage.

Eine jüngere Frau ein Stück weiter schaut verständnislos in Richtung der Lautsprecher.
Sie trägt ein knappes Kleid
- noch ist es nicht sehr warm und sie friert etwas, aber am Nachmittag möchte sie nicht schwitzen -
und verdreht genervt die Augen.
Sie schaut wieder auf ihr Smartphone.

Der Zug fährt ein.
Ein Zug fährt ein.
Nicht der, der erwartet wurde.
Einige enttäuschte Gesichter, einige erfreute Gesichter.
Für einige ist dieser zu früh, für andere der andere zu spät.

Der Bahnsteig füllt sich.
Der Bahnsteig leert sich.
Ein Zug fährt ab.
Der Bahnsteig füllt sich.

Dann endlich - der Zug fährt ein.

Der Bahnsteig leert sich.

Ein Typ mit Irokesenschnitt steigt ein
und schreibt einen Text über den
Berliner Frühling.

Die Sonne blendet.

07.05.2018

Montag, 23. April 2018

Wenn die Rollläden geschlossen sind

In der Nacht und tief im Wald
Ein Knarzen, ein Krachen
Ein Bersten, ein Brechen
Ein ohrenbetäubender Knall
Niemand hat es gehört

In der Nacht und tief im Wald
Nadeln kratzen an Nadeln
Äste fallen auf Äste
Ein Stamm, ein Baum, der liegt
Niemand hat es gesehen

Und doch ist es passiert

Ein Singen, ein Lachen
Ein Sprechen, ein Beten
Ein Weinen, ein Flehen
Niemand hat es gehört

Ein Grinsen, ein Lächeln
Ein Gedicht, ein Zittern
Eine Träne, ein Blick
Niemand hat es gesehen.

23.04.2018

Dienstag, 13. März 2018

Geteilte Schuld [Songtext]

Die Luft ist feucht, es riecht nach Mensch,
nach Schweiß und nach Fäkalien.
Sie sitzen dicht an dicht gedrängt
im Schlauchboot nach Italien.

In hundert Augen schimmert Angst,
doch die Hoffnung stärkt den schwächsten Geist.
Gebete fliegen in die Nacht,
während Kinderstimmen ängstlich schreien.

Sie haben zu viel von der Welt gesehen,
sie kamen irgendwie hier her.
Man ruft, sie sollen nach Hause gehen,
doch wo sie herkommen ist nichts mehr.

Sie sind Lebende aus nem Massengrab,
Überlebende eines Attentats,
verübt von vielen, die viel lieber schweigen,
geteilte Schuld ist tausendfaches Leiden.

Als er ankam war es echt nicht leicht,
er war fremd in diesem neuen Land.
Und dann ist noch sein letztes Hemd
in einem Heim verbrannt.

Jetzt lebt er hier seit fast vier Jahren,
kann die Sprache und hat einen Job.
Trotzdem pöbeln sie ihn an,
denn sie haben nur nen kahlen Kopf.

Er hat zu viel von der Welt gesehen,
kam von Krieg und Tod zu dir.
Du rufst, er soll doch nach Hause gehen,
doch sein Zuhause ist schon lange hier.

Er ist ein Lebender aus nem Massengrab,
Überlebender eines Attentats,
verübt von vielen, die viel lieber schweigen,
geteilte Schuld ist tausendfaches Leiden.

Es sind Männer, Frauen, Jungen, Mädchen,
einfach Menschen auf der Flucht, voll Angst.
Und so, wie du beim Fußball singst,
hilf doch brüderlich mit Herz und Hand.

Denn viele liegen schon in dem Massengrab,
starben bei irgendeinem Attentat,
sind ertrunken auf der Flucht durchs Meer,
die allermeisten schaffen's nämlich gar nicht bis hier her.

Und du denkst, dich geht das eh nichts an,
du bist schließlich nur der kleine Mann,
doch auch du profitierst von all dem Leiden,
unsere Schuld ist all das totzuschweigen.

13.03.2018

Montag, 12. Februar 2018

Zwei Zeitungen

Du sitzt dort und bist stumm.
Man guckt hin, aber schaut weg.
Man telefoniert, man unterhält sich,
man blickt herab und hat Mitleid.

Du sitzt dort und bist stumm.
Manchmal ein Klimpern
und du lächelst mit den Augen
und man blickt herab und hat Mitleid.

Du sitzt dort und träumst stumm,
denn viel mehr als deine Träume
hast du nicht.
Doch du wirkst nicht traurig,
denn zwei Zeitungen
sind auch ein Quadratmeter.

Zwei Zeitungen sind ein Wohnzimmer,
zwei Zeitungen sind ein Bett.
Zwei Zeitungen sind dein eigenes Reich
und wenigstens sind sie nicht so feucht wie der Boden.

Da, wo du herkommst, vermisst man dich
vielleicht.
Auch du hast eine Mutter und einen Vater,
vielleicht eine Tochter oder einen Sohn.
Da, wo du herkommst, hat man dich
vielleicht vergessen.

Du sitzt dort und bist stumm.
Man kennt dich hier und man lächelt dir zu.
Man bringt dir die Zeitung, man gibt dir zu essen,
man blickt herab und hat Mitleid.

Zwei Zeitungen trennen dich
vom Rest der Welt.
Und irgendwann ist es wieder Winter.
Und plötzlich bist du nicht mehr da.

Man hat ein seltsames Gefühl.
Man blickt herab und das Lächeln
bleibt aus.
Wo du gesessen hast liegt nur
der Tagesspiegel, Seite 12.

Keine Titelseite, keine Schlagzeile.
Nur der uninteressante
Lokalteil.

12.02.2018

Samstag, 2. Dezember 2017

Selbstzweifel

Dein Leben ist noch am beginnen,
erwachsen bist du noch nicht lang,
viele Wege liegen vor dir,
viel zu finden, wenig Zwang.

Doch jeden Morgen holst du wieder
all deine Selbstzweifel heraus,
stopfst sie tief in deinen Rucksack,
gehst nie ohne aus dem Haus.

Dann sehen dich die Leute schlendern,
so scheinbar frei und unbeschwert,
niemand schaut in deinen Rucksack,
niemand hat ihn je geleert.

Und all die Hoffnung, die du findest,
sie thront auf einem hohen Berg.
Vielen scheint der Weg nicht schwierig,
selten wirkt der Aufstieg schwer.

Doch immer siehst du dich nur scheitern,
denn immer ist da diese Last,
dieser Rucksack zieht dich runter,
aus jedem "Schaff ich!" wird ein "fast".

Und jedes "fast" wirfst du dann wieder
so achtlos in den Rucksack rein,
jedes Mal wirst du noch kleiner,
doch es könnte anders sein!

Denn jedes "fast" baut eine Mauer
und jede Mauer Einsamkeit.
Jedem, der dir helfen möchte,
sind diese Mauern viel zu breit.

So gibst du all den netten Worten
von vornherein schon kein Gewicht,
denn niemand scheint dich wohl zu kennen,
doch eigentlich kennst du dich nicht.

Und deshalb fang doch einfach nochmal
schon morgen ganz am Anfang an.
Lass den Rucksack mal zuhause
und hoffe, lache, glaube dran.

Denn dein Leben hat begonnen,
nicht erst seit du erwachsen bist,
alle Wege liegen vor dir,
wer weiß schon, welcher deiner ist?

02.12.2017

Montag, 27. November 2017

Kennen wir uns?

Ich sitze in der Bahn
und du auch.
Uns trennt kaum ein Meter,
du sitzt mir gegenüber.
Dein Blick huscht herüber
und ich schaue hoch
und bin für einen Moment
gefangen.

Du bist versteckt,
doch ich sehe dich.
Mir ging es mal so ähnlich, wie dir,
vor gar nicht allzu langer Zeit.
Du willst es verstecken,
doch eigentlich ist es in der Bahn
viel zu warm
für so lange Ärmel.

Und an deinem viel zu dünnen Handgelenk
schimmert eine Narbe.
Ein Zeichen der Kämpfe, die du
nachts mit den Monstern führst.
Deswegen sind deine Augen wohl
so müde.
Deswegen scheinst du schlafend
neben dir zu stehen.

Und ich denke mir, wenn wir uns
kennen würden,
dann würd ich dich
in den Arm nehmen
und Witze über
deine Waschbärenaugen machen.
Dann würde ich versuchen
dir zu helfen.

Doch wir kennen uns
nicht und ich tu nichts.
Ich stehe auf und sehe noch einmal
diesen kurzen Augenschrei.
Dann blickst du wieder weg
und ich steige aus.
Dein Gesicht verschwindet
in der Spiegelung der Scheibe
sehe ich nur mich.

27.11.2017

Freitag, 17. November 2017

Mein Land

Normalerweise schreibe ich in Reimen,
aber manche Themen haben's nicht verdient,
dass man sie in schöne Kleider kleidet,
also schreib ich das jetzt reimlos hier.

Schon eine ganze Weile kann man merken,
wie so vieles sich ein Stück nach rechts verschiebt.
Im Gewand des schnöden Populismus
öffnet dem Faschismus man die Tür!

Nur Wurzeln, Flügel soll ein Kind bekommen,
hat auch Goethe damals schon so klug gesagt,
doch wenn Eltern rechten Müll verbreiten,
sägt man diese Wurzeln besser ab.

Denn ist es nicht vergleichbar mit dem Virus,
der, ganz ohne Schuld des Trägers, einfach ist?
Breitet sich von dort im Umfeld weit aus,
bis dann keiner mehr den Ursprung kennt.

Die Frage nach den Wurzeln eines Menschen,
sowieso ganz plötzlich wieder relevant
und wo jemand herkommt sieht man schließlich
dem schon an der Nasenspitze an.

Und das und mehr wird viel zu laut geschrien,
brüllen: "Wieso nehmen wir so viele auf?"
Na, weil and're Länder das halt nicht tun,
dort regiern Idioten nämlich so wie ihr's wollt!

Und dann behauptet ihr nicht rechts zu sein!
Doch der ganze Selbstbetrug nutzt euch nichts,
weil ein Arsch nunmal auch noch ein Arsch bleibt,
wenn man blaue Jeans darüberzieht.

Denn jeder, der in Menschen keine Menschen sieht,
der nicht will, dass Küsse gleichgeschlechtlich sind,
jeder, der mit Lügen und mit Meinung
tut, als ob er Lösung bieten könnte,

betrügt nur sich und alle, die ihm glauben.
Viel schlimmer noch verbreitet er Gefahr
und Angst und Wut und Hass und Dummheit
verdrängen Liebe, Freude und das Leben.

Und ja, ich weiß, es gibt auch Terroristen,
doch zum Glück ist es bei denen, wie mit euch,
deswegen weiß ich, dass es hier auch immernoch
viel mehr Vernunftbegabte als euch gibt.

Von mir aus seid halt stolz auf euer Land,
wenn euch das Leben leider sonst nichts bietet,
ich sage nur, selbst wenn ich wollte, könnt ich's nicht,
solange ihr im gleichen Land noch lebt.

17.11.2017

Samstag, 4. November 2017

Streit

Es stürmt, es strudelt, es kracht und kreischt,
es brüllt, es brodelt, es bebt und beißt.
Im Zorn gesagtes verhindert den Schluss,
mit Wut getragnes behindert den Fluss.

Durch Galle, Geifer und Emotion
schlägt eine Mutter den eigenen Sohn,
verlässt die Liebe das junge Paar
zerstört ein Freund beste Freundschaft sogar.

Doch nie entsteht dort am Ende Sinn,
wenn Egos aufeinander prallen,
man biegt das ganze dann wieder hin,
man lässt sich gegenseitig fallen.

Und wenn man sich dann sowieso nur entschuldigt,
denn jeder ist dann sowieso nur verletzt,
warum macht man's nicht anders, warum redet man nicht
dann miteinander, sondern nur über sich?
Wieso stoppt man nicht gleich den ganzen Verriss
und findet am Anfang schon den Kompromiss?

04.11.2017

Sonntag, 15. Oktober 2017

Die Alte

Dunkler Qualm verrät ihr Alter,
heut' schon über Neunzig Jahr,
nur selten noch kauft man am Schalter
ein Ticket, um mit ihr zu fahrn.

Prachtvoll steht sie auf den Schienen,
stolz den Blick nur geradeaus,
für's Glänzen in den Kindermienen
holt man sie jährlich wieder raus.

Spektakel, Fest und Tradition,
urig wird sie heut' genannt;
so blank wie sie ist dieser Hohn,
stand sie doch einst für Stolz im Land.

Damals Neunzehnhundertzwanzig,
fuhr sie noch rund um die Uhr,
durch Wetter, Nebel, bis nach Danzig,
durch Täler, Berge, bis zur Ruhr.

Damals war ihr Lack noch Fuchsrot,
heute grau, nach all den Jahrn,
und läng're Strecken wären ihr Tod,
nur zur Ortsgrenze darf sie fahrn.

Oft erhofft sie sich ein Ende,
keine Kohlen solln mehr glühn,
doch hat sie weder Mund noch Hände,
so wird ganz langsam sie verblühn.


[Und wieder Mal bat ich um drei Worte und wieder Mal hat man mir drei gegeben:
Nebel, Schienen, Ortsgrenze]

15.10.2017

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Der Seefahrer

Ein alter Mann sitzt still am Tisch,
sitzt dort von früh bis spät.
Der Blick ruht rot verspiegelt sanft,
im Wein, der vor ihm steht.

Ein Glas, mehr nicht, den ganzen Tag,
die Zeit des Rauschs vorbei.
Was heute ihm noch Spaß verschafft
ist längst Vergangenheit.

So sieht er Bilder, fast verblasst,
im roten Spiegel blühn,
einst war er jung, er war noch stark,
nicht weise, aber kühn.

Nie hatte er daran gedacht,
einmal so alt zu sein.
Das Leben schien für ihn gemacht,
die Welt schien fast zu klein.

Dann kam die Weisheit mit der Zeit,
der Kühnheit schwerster Lohn,
dann wurde er der Träume müd',
der Wein sein Meer, ein Stuhl sein Thron.

Doch zeichnet Leid nicht sein Gesicht,
denn lächelnd sitzt er dort,
er träumt und reist mit seinem Schiff,
zu jedem blassen Ort.

Er blickt durch Nebel, blickt durch Gischt,
zur Küste, neues Land!
Mit Hoffnung, Feuer, Stolz im Blick,
seins wird, was unbekannt!

So manchen Kampf hat er gekämpft,
mit Mensch und Tier und sich
noch jeden hat er überlebt,
nichts gab's vor dem er wich.

Und heute dann erzählt er gern,
wenn ihn denn jemand fragt,
von Abenteuern jener Zeit,
von Gold und Drachenjagd.

Man denkt wohl oft, er sei verwirrt,
doch kümmert ihn das kaum,
er lebt nun für Geschichten noch,
die Gegenwart ein Traum.

Das Schicksal hat ihn nie bedacht
mit Kindern seiner Frau,
dann ging sie vor zehn Jahren schon
voraus ins Ewiggrau.

Seitdem sitzt wartend er am Tisch,
erzählt und lacht und dann
erscheint es oft dem Hörenden,
als wär er selbst der Mann.

Und diesen freut ein jedes Ohr,
das seinen Lippen lauscht,
schon immer hat er andere
so gern mit Wort berauscht.

So komm du nur, wenn du ihn siehst
und nimm am Tische Platz,
dann hör ihm zu, vergiss ihn nie
und erbe seinen Schatz.

12.10.2017

Montag, 18. September 2017

interNational [für das HPImgzn]

Alle Menschen sollen frei sein,
Menschenrechte Absatz eins,
schützenswert die Menschenwürde,
größtes Gut, sonst gibt es keins.

Doch wie schmerzlich sind die Tage,
denen wir entgegensehn,
unsre Freiheit wird zur Frage,
kann die Würde widerstehn?

Blauer Grund und gelbe Sterne
werden national ersetzt,
weil man nicht mehr nur in Kneipen
gegen Allianzen hetzt.

Gegen Minderheiten wettern,
wieder Volkssport und erlaubt,
in den Köpfen wurden langsam
alle Schrauben rausgeschraubt.

Und inmitten des Absurden
finden wir uns kaum zurecht,
vieles scheint sich zu verändern,
doch längst nicht alles ist heut schlecht.

Wo Hass versucht die Welt zu fressen,
wo's sehr stark riecht nach braunem Dreck,
da setzen viele noch ein Zeichen,
und Liebe setzt sich drüber weg.

Wo Flüchtlinge den Alten helfen,
Studenten andre Länder sehn,
wo Kinder ihre Eltern fragen,
weil sie die Wut gar nicht verstehn,

wo Leute auf den Straßen laufen,
weil andre dort für Hass marschiern,
da lässt die Hoffnung sich fast greifen,
dass doch noch alle es kapiern:

Der Mensch soll frei sein, wie er will,
ganz egal woher er stammt,
egal ob laut, egal ob still,
ein Hoch auf Menschen, nicht auf's Land!

13.06.2017

Recycling [für das HPImgzn]

Manche Dinge, die zu eigen,
wir uns machen im Affekt,
werden dann recht schnell und leise
irgendwo verstaut, versteckt.

Sei es in den Weihnachtszeiten
oder auch mal einfach so,
selten währt die Freude länger,
doch man fragt sich später wo

dieses Ding, das man begehrte,
denn nun rumliegt und verstaubt,
hat man doch im Rausch des Kaufes
noch an dessen Sinn geglaubt.

Und so wird, nach langen Jahren,
das ist wahr und doch verrückt,
"fast wie neu" die alte Ware
eines Ebaykäufers Glück.

02.12.2016