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Sonntag, 7. Juli 2019

Lyrische Betrachtung IX - Erklär mir die Welt

Die Worte tropfen
langsam wie Honig
von deinen Lippen
an denen ich hänge
wie du an deinen Idealen

Du erklärst mir die Welt
hinter deinen Augen
Voll verborgener Wege
auf denen ich mich so gerne verlaufe

Kleine Fältchen
und Sommersprossen
wie ein Muster an der Decke über dem Bett
das ich so oft nachdenklich angesehen
und mich Zuhause gefühlt habe

Nur eine Frage bleibt
als deine Lippen sich schließen
und ein Lächeln auf die Reise
in meine Erinnerung schicken

Warum ich?

07.07.2019

Mittwoch, 26. Dezember 2018

Lyrische Betrachtung VIII - Zeitgeist

Hinter fremden Wänden sind die Dinge meistens anders, als man vor den fremden Wänden häufig denkt.
Und so laufen wir wir durchs Leben und sind neidisch auf die Dinge, die es hinter fremden Wänden gar nicht gibt.

Deshalb schütten wir und schütten und das Glas ist längst halb voll. Doch im Zwielicht dieses Bildschirms im Büro im zwölften Stock eines viel zu großen Hauses wirkt das viel zu kleine Glas immer nur als wärs fast leer.
Und dann denkt man, man verdurstet, doch das Fass läuft schon seit langem über unsren schmalen Tellerrand hinaus.

Und wir trinken und wir essen und wir saufen und wir fressen und wir denken manchmal, doch wir machen meistens nur.
Denn im Irgendwo sind all die, die wir essen und verleugnen, die wir meiden, um beim Machen nicht zu denken.

Und am Ende sind da wir und wissen nicht mehr, wer wir sind, weil alle Fässer längst gefüllt und jeder Hunger längst gestillt ist.
Und am Ende wissen wir nicht einmal mehr, wie man denn stirbt, weil jedes Gras in das man beißt doch längst verdorrt ist.
Und am Ende stehen wir mit all den Fahnen und Fanfaren auf den Dächern all der viel zu großen Häuser.

Doch wir blicken in das Zwielicht unsrer Nächte und wir fragen uns die Fragen, die wir alle schon seit Jahren auf die Herzen unsrer Kinder tätowieren.
Und dann trinken wir und singen und dann träumen wir vom Springen, doch wir füllen unser schimmeliges Fass.
Denn das ist Zeitgeist, das ist Freigeist, das ist kein Geist, was wir wollen - ist es das?

26.12.2018

Donnerstag, 21. Juni 2018

Lyrische Betrachtung VII - streichholz

wo ist das feuer
fragst du während dich
die sich in meinen augen spiegelnden
flammen verzehren

ich trinke einen schluck wasser
und schmelze
wie das ziffernblatt einer uhr
im einzigen gemälde dalís das du kennst

während erst dein feuer sich
in mir löscht und du dann dich
in meinen wogen verlierst
und untergehst

bemerke ich
dass es kalt geworden ist.
hast du vielleicht
ein streichholz?

21.06.2018

Montag, 28. Mai 2018

Lyrische Betrachtung VI - Stille

Kennst du die Stimme der Stille?

herz
schlägt zu
atem
stockt auf

zuckerschwarzes flüstern
verklebt sekunden
zu jahren

aus jahren
entstehen sekunden
langes rauschen erfüllt

räume
zwischen sternen
wo nicht
nichts ist

Kennst du die Stimme der Stille?

28.05.2018

Donnerstag, 1. Februar 2018

Lyrische Betrachtung V - Auf den ersten Blick

Sag mir, Herz, wieso du rennst,
was ist bloß dein Ziel?
Sag mir doch, wofür du brennst,
was ist los mit dir?

Und du, Magen, sag warum
fühlst du dich so flau?
Und du, Mund, du bist so stumm,
bist du sonst nicht laut?

Die Dinge, Kopf, die du da denkst,
haben keinen Sinn!
Die Blicke, die du suchend lenkst;
da schaut man doch nicht hin!

Hört nur, Ohren, dieses Wort!
Solch ein schöner Klang:
"Ich habe Zeit und du den Ort,
treffen wir uns dann?"

Los jetzt! Kopf bloß konzentrieren!
Mund sag ja! Blick ins Gesicht!
Magen, du musst dich beruhigen
und Herz - ach, du hörst eh niemals auf mich.

01.02.2018

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Lyrische Betrachtung IV - Träumen

In deinen Augen bricht sich wirbelnd das Licht
und hüllt mich ein, wie die warme Luft in meinem Lieblingscafé, die zu Weihnachten immer so verlockend nach Vanille und Zimt duftet.

In deinen Worten klingt beschwingt eine Melodie,
wie sie die Wellen an einem lauen Sommerabend so beruhigend an meinem Lieblingsstrand singen.

In deiner Umarmung entfaltet sich wohltuend die Wärme
und taut mein Herz auf, wie es der Kamin im Wohnzimmer meiner Großeltern in so vielen kalten Herbstnächten tat.

In deinen Haaren hält sich verträumt ein Duft,
wie ihn die Wiesen am Bergsee neben meiner Ferienhütte so belebend im Frühling verbreiten.

Auf deinen Lippen liegt ein Geschmack verborgen,
versteckt vor mir und so fern, wie die Sterne, die ich jede Nacht so nachdenklich betrachte.

Und jedes Mal dann denke ich daran,
dass ich gar kein Lieblingscafé habe und schon lange nicht mehr an einem Strand gewesen bin,
dass meine Großeltern nie einen Kamin hatten und ich auch noch nie in den Bergen Urlaub gemacht habe.

Und jedes Mal dann bin ich auf's Neue fasziniert, wie sehr du mich zum Träumen bringst.

07.12.2017

Mittwoch, 29. November 2017

Lyrische Betrachtung III - Flockenflug

Hinauf zum Himmel blick ich fröstelnd,
Dunkelheit zieht dort vorbei,
abertausend Eiskristalle,
das Windgepfeif klingt wie ein Schrei.

Ich spüre Krallen, wärmetötend
greifen sie ins Herz hinein,
sehe einen der Kristalle,
er kommt zu mir, will bei mir sein.

Langsamsanft schwebt diese Flocke
so flöckchenstill zu uns heran,
landet dann auf deiner Nase,
du ziehst sie kraus und lachst mich an.

Und ganz plötzlich lach ich mit dir,
mein Herz taut auf in deinem Blick,
plötzlich scheint der Schnee zu leuchten
und plötzlich ist mein Glück zurück.

29.11.2017

Montag, 20. November 2017

Lyrische Betrachtung II - Depression

Kalter Wind ergreift den Muskel,
der dich noch mit Leben füllt,
friert ihn ein und lässt ihn stocken,
macht ihn schwer und dunstumhüllt.

Plötzlich pumpt statt Leben Kälte
durch die Bahnen tief im Fleisch,
deine Sinne sterben wieder,
doch Dunkelheit empfängt dich weich.

Doch lüge nicht, ach, arme Seele,
du armes, kleines Seelenrund.
Was immer dich im Dunkeln quäle,
du selbst bist dir dafür der Grund.

20.11.2017

Samstag, 18. November 2017

Lyrische Betrachtung I - Winternacht

Der Frost nagt sanft, wie du, an meinem Herzen.
Die Kälte dringt durch dich in mich hinein.
Der Wind löscht grob mein Feuer aus wie Kerzen,
wo du auch bist, dort möcht ich nicht mehr sein.

Wo du auch warst, dort kann ich nicht mehr wandeln,
Erinnerungen leiten dort die Sicht,
so wie dem Winter fehlt mir jede Wärme,
so wie dem Herbst fehlt heute mir das Licht.

18.11.2017

Lyrische Betrachtungen

Hallo an meine treuen Leser und Leserinnen, an alle, die es werden wollen und an die, die nur aus Versehen hier sind,
ich möchte nur kurz eine Info zu einem kleinen Projekt geben, dass ich ab sofort starte, damit sich niemand über die zugehörigen Gedichte wundert. Der Name ist, zufälliger- und praktischerweise, deckungsgleich mit dem Titel dieses Blogeintrags hier!
"Lyrische Betrachtungen", unter diesem Titel (oder wie man heute sagen könnte: Hashtag) möchte ich auf unbestimmte Zeit immer wieder kürzere Gedichte schreiben und veröffentlichen, die sich immer mit einem bestimmten Gedanken, einer Situation, einem Gegenstand oder auch nur einem flüchtigen Gedankenfragment beschäftigen sollen.
Ich hänge in letzter Zeit gerne an einigen Texten fest, die länger werden könnten oder nie vollendet werden und möchte damit für mich selbst einen kleinen Gegenpol schaffen, bei dem ich mich zur Kürze zwinge und nicht allzu lange an den Gedichten herumwerke.
Außerdem erhoffe ich mir dadurch noch mehr Training in Sprache, Form, Ausdruck etc. zu bekommen, denn auch wenn man viel lernen kann, während man stundenlang über die gleiche Zeile nachdenkt, beim Schreiben mehrerer Gedichte übt es sich dann doch besser.
So werde ich mich auch gerne durch verschiedene Dichter und Stile inspirieren lassen, die Gedichte werden also nicht zwangsläufig immer ähnlich sein, was die Form, Sprache oder Stimmung angeht.
Sie werden aber alle dazu gehören und das wird dann auch immer im Titel stehen. Mal sehen, wie viel sich da so ansammeln wird und wie lang ich das ganze durchziehe.
Ich bin gespannt und hiermit fertig ;-)
In diesem Sinne, das erste Gedicht folgt auf dem Fuße,
Euer Lyrikpanda